Es ist, wie es ist

Das pflegte meine Physiognomik-Lehrerin Wilma Castrian zu sagen, wenn wir mal wieder vor Ungeduld platzten. Heiterkeit und Langmut lagen in der Luft, wenn sie uns in ihrem Haus in Schmedenstedt unterrichtete.

Die letzte Konsequenz aus diesem Satz hat Wilma Castrian am Ende des letzten Jahres gezogen, als sie ihr geliebtes Haus und uns alle verließ.

Immer werden sie mir in Erinnerung bleiben: Sommerliche Physiognomik-Wochen in Schmedenstedt, physiognomische Betrachtungen mit der Meisterin, wir lachend und staunend darüber, was so eine Nase alles über einen Menschen aussagen kann und wie sie denn in Verbindung zu sehen ist mit allem übrigen, was uns Menschlein so im Gesicht geschrieben steht. Lange Debatten über das Naturell der Kandidaten, die spannende Lebensgeschichten zum Vorschein brachten.

Wenn Sie Ihren Ehrgeiz nicht zurücknehmen, wird Ihre Oberlippe verschwinden!“

Diesen Satz, den sie mir mit auf den Weg gab, als ich mich mit meiner Praxis und Schule für Ernährungsberatung selbstständig machte, werde ich wohl nie vergessen. Und auch nicht  den energischen Blick ihrer gütigen blauen Augen. Auch heute noch, wenn ich mich dabei ertappe, einen verstohlenen Blick auf meine Oberlippe zu werfen, weiß ich, dass ich mal wieder eine Pause brauche!

Anfangs war die Physiognomik nur mein kleines geheimes Hobby. Auf die Idee, sie als Diagnose-Tool in meine eigene Ausbildung zur 5-Elemente-Ernährungsberaterin einzubauen, kam ich erst viel später. Denn das, was die klassische Physiognomik über Ernährung zu sagen hatte, passt so gar nicht zum Konzept der TCM-Ernährung.

Erst als ich physiognomisch eigene Wege ging, entdeckte ich eine Möglichkeit, 5-Elemente-Ernährung und Physiognomik zu verbinden.

Mir war gar nicht klar, wie sehr ich auch das von ihr gelernt hatte: eigene Wege zu gehen.

Denn auch Wilma Castrian hatte sich letztendlich von ihrem Vorbild Carl Huter in vielerlei Hinsicht gelöst. Bei allem tiefen Respekt vor dem Wissen ihres Lehrers verzichtete sie konsequent auf dessen oft wertende, spekulative und wenig wertschätzende Auslegungen.

Während ich schreibe, wird mir bewusst, dass dies auch für meine Lehrerin  Karen Acuff (heute: Friberg) zutrifft: Ihr Wissen der 5-Elemente-Ernährung basierte auf den überragenden Kenntnissen führender makrobiotischer Lehrer und Lehrerinnen wie Michio und Aveline Kushi. Deren geistige und ernährungstheoretische Engführung gab Karen jedoch im Laufe der Zeit auf, um sich einer ganz eigenen Variante der 5-Elemente-Ernährung zu nähern.

Beiden Meisterinnen ihres Fachs verbindet ein aufrichtiges Interesse am Menschen in seinem ganz konkreten persönlichen Kontext. Um ihm physiognomisch oder mit der Ernährung helfen zu können, muss man sich ihm vorbehaltlos zuwenden. Solides Wissen im Handwerkskoffer, immer bereit, es zu überprüfen, in Frage zu stellen und neue Lösungen zu suchen. Im Mittelpunkt der Mensch, und alle Theorie ist nur Werkzeug, ihn zu erfassen und so in seinem Anliegen zu unterstützen.

Im Mittelpunkt steht der Mensch

Ähnlich wie die Villa Schmedenstedt für Wilma Castrian, diente das mitten im schwedischen Wald gelegene „Björklyckan“ für Karen Acuff als Schmiedestätte ihrer Ausbildungen und experimentellen Studien. Oft waren wir über zehn Mitarbeiter in diesem Seminarhaus, bekochten Urlauberinnen und Gäste. Unter ihnen auch viele von Steven Acuff in aller Welt beratene Krebspatienten, die sich oft viele Monate in Björklyckan betreuen ließen.

Karen ließ sich unglaublich viel einfallen, um sie bei der Stange zu halten. Wenn sie merkte, dass ihnen das Einhalten ihrer Ernährungsvorschriften zu schwer fiel, strickte sie Rezepte kurzerhand um.

So verdankt ihr wunderbares Rezept der Aramerolle ihren Ursprung dem krebskranken Sirtaj, der keine Algen essen mochte. Eingewickelt in einen selbst hergestellten Blätterteig aß er sie sogar gerne. Damit die Heilwirkung nicht verlorenging, kriegte der Blätterteig einen Spritzer Zitrone. So wurde die Bildung von Stagnation durch den gebackenen Teig verhindert.

Rezepte zuschneiden und umstricken, das ist heute meine Werkstatt

Nicht an starren Rezepten kleben, sie mit dem Wissen um Yin und Yang und die 5 Elemente auf den Klienten zuschneiden und dessen eigene Rezepte umstricken, das ist heute meine Werkstatt, in der ich das Wissen um die Kochkunst der 5 Elemente vermittle.

Ähnlich wie Wilma Castrian für die Physiognomik entwickelte Karen Acuff einen unglaublichen Spürsinn für die Anwendbarkeit der 5-Elemente-Ernährung. Sie verlangte von uns Mitarbeiterinnen eine bedingungslose Achtsamkeit. Mit dem Zubereiten der Mahlzeiten war unser Job noch lange nicht getan.

Wir sollten die Wirkungsweise beobachten und aufschreiben. Gingen Gäste nächtens auf die Pirsch in unseren Vorratskeller, wurde das Menu am Vorabend unter die Lupe genommen: Hat etwas gefehlt? War es nicht reichhaltig, nicht lecker genug? Weil wir ja mit den Gästen lebten, konnten wir sie auch befragen. Es war eine unglaublich lebendige Art zu lernen!

Unterricht unter freiem Himmel.

Leben und arbeiten, so haben wir gelernt

Wir haben sogar unser eigenes Gemüse angebaut. War anstrengend, hat aber Spaß gemacht.

Da wir unsere Nahrungsmittel zu einem großen Teil selbst anbauten und ernteten, waren wir immer im unmittelbaren Kontakt mit der Natur. Das war Unterricht unter freiem Himmel über Yin und Yang und die 5 Elemente. Leben und arbeiten, so haben wir gelernt.

Auf diese Weise bekamen wir einen unmittelbaren Zugang zu unseren Nahrungsmitteln. Wir versuchten, sie in ihrem Wesen zu erkennen, und das ist viel mehr als nur zu wissen, wofür sie eigentlich gut sind.

Es war damals schwer für mich, Björklyckan zu verlassen, doch sonst hätte ich Wilma Castrian ja nicht kennenlernen können! Die Makrobioten bedienten sich zwar für die Einschätzung des gesundheitlichen Zustands ihrer Klienten der Pathophysiognomik, aber die Psychophysiognomik spielte dort so wenig eine Rolle wie die Ernährung in der Physiognomik.  (àLinks zu unserem Artikel über Physiognomik)

Mein Leben hat Physiognomik und 5 Elemente verschmolzen

Wenn im Älterwerden eine Schönheit liegt, dann die, dass sich zusammenfügt, was sich in einzelnen Lebensphasen scheinbar zusammenhanglos entwickelt.

Auf diese Weise hat mein Leben Physiognomik und 5 Elemente immer tiefer miteinander verschmolzen. Meine Ausbildungen zu 5-Elemente-ErnährungsberaterInnen basiert auf diesem Konzept. Es ist wie es ist: Das eine ist ohne das andere nicht mehr denkbar.

Dabei leben die beiden nicht nebeneinanderher wie ein altes Ehepaar, dem die Liebe abhanden gekommen ist. Ihre Liaison ist zwar alt, aber sie ist jung geblieben, weil sie noch immer neugierig aufeinander sind, sich gegenseitig inspirieren und beflügeln. Sie haben sich sozusagen in der langen Zeit ihres Zusammenwirkens immer tiefer aufeinander eingelassen.

Im Alter fügt sich scheinbar Zusammenhangloses, darin liegt seine Schönheit

In Zeiten wie der unsrigen, wo tiefes und komplexes Wissen dem schnellen und vereinfachenden Zugriff weichen muss, haben es die beiden natürlich schwer. Davon lassen sie sich aber nicht abschrecken.

In heiterer Gelassenheit streifen sie durch die Welt und lassen sich finden. Ein bergendes Zuhause haben sie bei Hunvision. Da sind mehrere von ihrer Art und teilen ihre Erkenntnisse, Freuden und Sorgen miteinander.

Wenn du die Physiognomik und/oder die 5 Elemente kennenlernen willst, lass es uns doch gerne wissen:

Im März beginnt eine neue Grundausbildung in der 5-Elemente-Ernährungsberatung, wenn möglich als Präsenz-Unterricht, sonst starten wir erst einmal online. Und für Liebhaber der Physiognomik wird es im September eine Ausbildung geben.

Hier findest du weitere Infos:

Ausbildungen und Seminare

Physiognomik

Schau mir auf die Nase, Kleines

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