Wo geht denn der Sommer hin?

Hast du auch diesen süßlich-schweren Geruch in der Nase, wenn du abends an Vorgärten oder Wiesen vorbeikommst? Sogar die Balkonkästen verströmen den Duft von verblühenden Blumen und feuchter Erde.

Dann bist du dem Element Erde begegnet – einer Zeit, in der der Sommer vergeht, die Früchte reifen und geerntet werden. Und so wie die Bauern diese Früchte jetzt einfahren, machen sich deine Speicherorgane Magen und Milz an die Arbeit, die Früchte deines Sommers zu speichern und zu verdauen.

Kommst du dir auch ein wenig verloren vor, jetzt wo die Tage langsam
wieder dunkler und kühler werden?

Dann lass dich unterstützen vom Tao, das dich trägt und dir eine kleine Auszeit verschaffen will. Die alten Chinesen nennen diese Zeit Dojo, die Zeit des Übergangs. Dojo ist alles, was dazwischen liegt, so wie jetzt das aktive Yang des Sommers langsam endet und das aufnehmende Yin sich für Herbst und Winter bereit macht.

Auch in dir laufen diese Prozesse ab: Milz und Magen speichern die aufgenommene Nahrung und wandeln sie so um, dass sie etwas werden, was nur zu dir passt.

Die alten Chinesen haben die Prozesse von Transformation und Speichern dem Element Erde zugeordnet

Und so funktioniert es: Das was gut für dich ist, das „Klare“, wird von der Milz zur weiteren Verdauung und Verfeinerung weitergeleitet, und das, was dir nicht so gut tut, das „Trübe“, leitet der Magen nach unten zur Ausscheidung. Wenn die beiden ihre Arbeit ordentlich machen, ist nicht nur dein körperliches Wohlbefinden, sondern auch dein seelisches Gleichgewicht gesichert.

Die Traditionelle Chinesische Medizin sieht alles mit dem Herzen verbunden

Die ganze Sortier- und Transformationsarbeit der Verdauungssysteme dient letztendlich dazu, dem Herzen klare und reine Energie zur Verfügung zu stellen. Mit anderen Worten: Nur wenn du gut verdaust, hast du einen klaren Geist, den sogenannten „Shen“. Auf der Ebene des Elements Erde zeigt sich dein Shen in der Fähigkeit, klar denken zu können. Für die Chinesen ist Denken – das „Yi“ – keine reine Kopfsache, sondern eine Interaktion von Kopf und Herz mit dem Tao.

„Yi“ sorgt dafür, dass das, was sich schnell, flüchtig und viel in deinem Sommer ereignet hat, Wurzeln bekommt, sich also in dir verankert. So wie die Bauern die Früchte ihrer Arbeit ernten und in den Kornspeicher bringen, so sorgt dein „Yi“ dafür, dass alles, was dir im Sommer wichtig und lieb war, in deinen Erinnerungsspeicher eingefahren wird.

Was sind deine Schätze, die du in diesem Jahr speichern und bewahren willst?

„Yi“ sorgt auch dafür, dass du dich gut konzentrieren und klar denken kannst. Zum Denken und Sortieren brauchst du allerdings etwas Zeit, und diese solltest du dir zwischendurch in deinem Alltag immer mal wieder nehmen.

Anfangen könntest du ja mal damit, Deine Mahlzeiten in Ruhe einzunehmen, also ohne Handy und ohne viel zu reden oder andere Ablenkungen. Dann hast du etwas mehr Zeit zum Kauen. Dabei entfalten sich die Aromen auch viel besser und dein Verdauungssystem kann das, was du isst, viel besser aufnehmen. Zusätzlicher Anreiz: du wirst dich auch weniger schnell überessen, wenn du das, was du isst, auch wirklich genießt.

Dojo ist körperliche und seelische Süße

Der süße Geschmack gehört zu Element Erde und bewirkt, dass du dich gut entspannen kannst. Damit ist allerdings nicht die Zuckerschiene gemeint, denn der entspannt nur kurzfristig und macht dich auf Dauer unruhig und nervös. Probier doch mal unsere leckeren süßen Rezepte mit Reismalz oder Agavendicksaft und du wirst den Unterschied merken.

Der Leichtigkeit des Sommers hast du in deiner Ernährung sicherlich mit Salaten, Obst und leichten Gemüsen Rechnung getragen. Dann ist es jetzt Zeit, dich wieder zu verwurzeln. Hast du schon gemerkt, wie süß der Hokkaido-Kürbis jetzt schmeckt nach diesem heißen Sommer? Also schnell in den Backofen schieben und die entspannende Süße genießen

Kompakte runde Gemüse wie Kürbis, Süßkartoffeln und Kohlrabi sowie lange geschmortes oder gebackenes Wurzelgemüse wie Möhren, Pastinaken und Schwarzwurzeln helfen dir, dich wieder zu verwurzeln. Damit stärkst du dein Verdauungssystem und deine Konzentration.

Und bitte nicht die Reichhaltigkeit vergessen

Für die Chinesen ist die Milz „die Mutter der 10.000 Dinge“; sie wird auch nachgeburtliches Qi genannt. Als gute Mutter ist die Milz großzügig und ihre Nahrung ist vielfältig und reichhaltig. Wurzelgemüse allein reicht nicht, da muss schon auch ein gutes, vorzugsweise pflanzliches Eiweiß dazu.

Und für die Seele was Süßes, was Leckeres.

Wenn dein Verdauungssystem empfindlich und Deine Konzentration nicht so gut ist, solltest du alles, was zu viel Feuchtigkeit hervorruft – Zucker, Milchprodukte und zu viel Brot –  einschränken oder mal eine Weile ganz weglassen.

Eine gute Erde braucht natürlich eine angemessene Feuchtigkeit, um fruchtbar zu sein. Also keine Sorge: sanfte „Befeuchter“ wie Reismalz und Mandelmus sind auch bei leichter Milz-Qi-Schwäche erlaubt. Nach meiner Erfahrung kommt man vom Zucker ohne alternative Süßspeisen nicht runter. Sie machen Freude, entspannen und bilden sozusagen die zweite Schiene zum langgekochten Wurzelgemüse.

Auch wenn sich also der Sommer mit seiner Wärme wieder auf den Weg macht, sind die Stärke und Weisheit der Elemente Metall und Wasser bereit, uns zu inspirieren und den Kreislauf des Jahres zu vollenden.

 

Ich wünsche dir guten Appetit und einen wunderbar geerdeten Spätsommer!

Wie geht es Dir denn mit diesem Übergang? Schreib uns doch mal, wie Du Deine Dojo-Zeit verbringst!

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Vielen Dank für diesen schönen Artikel, Sooni. Du erinnerst mich daran, dass man die Jahreszeiten nicht einfach so dahinziehen lassen sollte, sondern, dass es gut tut, sich einmal eine Minute zu nehmen und alles einwirken zu lassen und wahrzunehmen. Das bringt eine unheimliche Ruhe und das Gefühl sich einmal treiben lassen zu können, jenseits von Hektik und Stress. Die praktischen Tipps helfen, alles was die Natur jetzt bietet, ausschöpfen zu können und sich gut versorgen zu können. Toll!

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So ein schöner Artikel über den Spätsommer! Hier wird wieder klar, wie alles zusammenhängt: Jahreszeiten, Lebensmittel, unser Gemüt und unser Gedanken. Dabei gibt es kein besser oder schlechter – nur eine andere Qualität.
Da kann man es gar nicht mehr abwarten, dass Ruhe einkehrt … und es sich endlich gemütlich machen darf, … sogar sollte 😉 Auch ich bemerke, dass ich mich zur Zeit extrem nach den geerdeten Lebensmitteln und Kochmethoden sehne. Nachdem ich mich in diesem heißen Sommer auf große Mengen Salat, rohes Obst und knackig gedünstetes Gemüse gestürzt habe. – Der Kürbiseintopf steht schon auf dem Herd – Yammiiii

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